Body and mind
Ayurveda

Doshas und Gunas: wie Krankheiten entstehen

Wie entsteht eigentlich Krankheit – also z.B. Rheuma –  laut dem Ayurveda und was haben Doshas und Gunas damit zu tun? Ich versuche heute mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen. 

Im Ayurveda gibt es drei so genannte Konstitutionstypen, auch körperliche Dominanzen oder Doshas genannt. 

 

Vata – Pitta – Kapha

 

Ganz vereinfacht gesagt, sind alle diese Typen bei jedem Menschen angelegt, von Geburt an. Denn alles steht für ganz bestimmte Aufgaben und Bereiche im Körper.

 

Vata z.B. wird auch als das Prinzip der Beweglichkeit (Luft) bezeichnet. Vata steht für den Fluss unserer Energie und für die Bewegungen in uns (in den Körperzellen und Organen). Da Vata schnell aus dem Gleichgewicht geraten kann und dann auch die anderen Doshas beeinflusst, ist es wichtig, Vata in Balance zu halten. Vata-Menschen sind vom Körper und vom Geist immer in Bewegung, wollen die Welt entdecken und die Energie der Freiheit spüren, verfallen jedoch leicht ins Grübeln und Sorgen. Wenn Vata aus der Balance gerät, dann verliert der Mensch den Überblick, wird nervös und gestresst. Entscheidungen werden schwerer getroffen. Darunter leiden Konzentration und Schlaf, es kommt zu Verdauungsproblemen.

Vata verursacht mit seinem Ungleichgewicht meist als erstes Dosha die Frühstadien von Krankheiten. Ist Vata als König der Doshas im Gleichgewicht, sind es Pitta und Kapha meist auch.

 

Pitta regelt unseren Stoffwechsel (Feuer), also die biochemischen und physischen Vorgänge. Nahrung und Gedanken werden z.B. in Wärme, Energie und Vitalität umgewandelt. Wie gut Pitta funktioniert, hängt vom Verdauungsfeuer (Agni) ab. Pitta ist außerdem verantwortlich für unseren Wärmehaushalt, unseren Hormonhaushalt und unsere Emotionalität. Pitta steht für das Feurige, den Ehrgeiz, Stärke und körperliche Aktivität.

 

Kapha steht für die Struktur und bewirkt Beständigkeit und Stabilität (Wasser und Erde). Es ist verantwortlich für den Flüssigkeitshaushalt, die körperlichen Strukturen (Lymph- und Immunsystem) und die Stabilität unserer Körperstrukturen. Ihm zugeordnet sind z.B. der Geruchs- und Geschmackssinn.

 

Es braucht also alle Doshas. Es ist nicht wie bei den Sternzeichen, dass man nur eines in sich trägt oder Vererbung eine Rolle spielt. 

 

Krankheiten entstehen im Ayurveda durch eine Kette von Ereignissen. Der Mensch hat z.B. schlechte Ernährungsgewohnheiten, wie zu unregelmäßiges Essen, zu rohes Essen, zu kaltes Essen, zu viel Alkohol. Oder er neigt zu negativen Lebensgewohnheiten, wie z.B. zu wenig Schlaf, zu viele Aufgaben, Sport bei heißen Temperaturen, zu viel Schlaf, sitzende Tätigkeiten ohne ausreichenden Ausgleich oder Überforderung des Geistes (hier sind sämtliche negative Erlebnisse gemeint). Das alles stört die Doshas in ihren Funktionen. Man kann als Beispiele sagen, dass es für eine träge Verdauung nicht förderlich ist, wenn man viel Rohkost isst, wenn zu wenig Trinken den Flüssigkeitshaushalt stört oder zu viel Stress das Immunsystem belastet.

 

Warum ernähren wir uns denn nicht immer zuträglich, leben unzuträglich und handeln wider besseren Wissens? Obwohl wir leichten Zugang zu Informationen haben, handeln Menschen trotzdem dagegen. Und manchmal wissen wir es einfach nicht besser oder handeln aufgrund unbewusster Erinnerungen. Der Ayurveda sagt, dass der Geist das Problem ist, nicht der Körper. Nicht der Körper entscheidet sich für eine krankmachende Lebensweise, sondern der Geist.

 

Der Geist hat im Ayurveda drei Eigenschaften (Gunas):

 

Sattva ist die maximale Entfaltung im Geist, dominiert von Frieden, Harmonie, Intelligenz, Erkenntnis, Reinheit und Wahrhaftigkeit. Sattva steht für das Erhellende und Erfreuliche. Die wichtigsten Fähigkeiten sind Unterscheidungsvermögen, Entschlossenheit, Erinnerungsvermögen und Entscheidungsvermögen. Sattva steht für den Drang, sich körperlich als auch geistig weiterzuentwickeln. Was tut mir gut, was tut mir nicht gut? Dazu gehören Entscheidungen, die das Private, den Beruf, den Partner oder den Lebensweg betreffen. Im Ayurveda ist die Fähigkeit zu entscheiden die größte Fähigkeit. Entschlossenheit wiederum beinhaltet auch, wie wir uns durchsetzen, uns zurückhalten oder fernhalten von krankmachenden Situationen. Das bedeutet, dass wir durch besseres Wissen automatisch die Disziplin und Kraft zur Entschlossenheit haben können. Entscheidungen werden aufgrund von Erfahrungen getroffen. Der Geist vergleicht immerzu Situationen mit ähnlichen Situationen und das führt u.U. dazu, dass wir wiederholt die gleichen Situationen anziehen. Z.B. ist der neue Partner wieder so „krankmachend“ wie der alte. Ein Teufelskreislauf entsteht immer und immer wieder. 

 

Eine unzuträgliche Lebensweise, z.B. durch die fehlende Entschlossenheitsfähigkeit des Geistes, führt zu mehr Rajas und Tamas. Rajas steht für Leidenschaft, Triebe, Emotionen, Anhaftung und Drang. Wir wollen Dinge unbedingt haben und halten krampfhaft an ihnen fest, um sie nicht mehr zu verlieren. Rajas im Geist brauchen wir aber auch im positiven Sinne, um für eine Sache leidenschaftlich zu kämpfen, die uns wichtig ist. Tamas ist das Prinzip des Widerstandes, der Trägheit und Täuschung. Zu den tamasischen Eigenschaften zählen u.a. der Schlaf, die Bindung, die Dunkelheit und Starre. Tamas gilt es zu beschränken, z.B. indem der Schlaf auf die Regeneration reduziert wird.

 

Eine Einteilung der Nahrungsmittel in sattvisch, rajasisch und tamasisch findest Du übrigens hier.

 

Der Geist herrscht über den Körper. Im Ayurveda gibt es (so Ralph Steuernagel) keine Krankheit, die keinen geistigen Zusammenhang hat. Selbst wenn eine Krankheit durch mangelnde Achtsamkeit und erhöhte Risikobereitschaft entstand, lag es am Geist.

 

Um Gesundheit bzw. Heilung zu erlangen sieht der Ayurveda mehrere Stufen vor. Zunächst muss Wissen angeeignet werden, um die Lebensweise und Ernährung ändern zu können. Das Problem sind die Abwehrmechanismen des Geistes, der sofort reagiert, wenn wir etwas Gewohntes abändern wollen (z.B. keinen Zucker mehr konsumieren). Das ist eine große Herausforderung. Deswegen setzt der Ayurveda erstmal auf die schrittweise Änderung der Lebensweise (durch Routinen, Meditationen usw.) und der Ernährung, um dann den Geist zu verändern, was fast unbemerkt geschieht.

 

Nur Sattva, also nur Freude/Glück/Leichtigkeit, gibt es übrigens nicht. Der Sinn des Lebens besteht doch eher in der Sinnhaftigkeit. Und dazu stellt uns der Ayurveda die Aufgabe: wozu bin ich auf der Welt?

 

Die drei Grundprinzipien zu ganzheitlicher Gesundheit im Ayurveda sind:

 

Verantwortung, Veränderung und Disziplin

 

Verantwortung für unser Leben, für unsere Gesundheit übernehmen und nicht anderen bzw. der Umwelt die Schuld für unsere Krankheit geben. Die Gedanken, dass andere für unser Leid verantwortlich sind, aufzugeben ist Verantwortung.

 

Veränderung führt zu einer besseren Zukunft statt Stillstand. Taten verändern das Leben erst. Die möglichen Ursachen der Krankheit müssen verändert werden, damit neue Wirkungen entstehen können.

 

Disziplin in unserem Verhalten können wir am meisten steuern. Ayurveda ist der Weg der Disziplin. Das fängt damit an, dass wir aufhören, wider besseren Wissens zu handeln (z.B. doch bis Mitternacht wach bleiben und fernsehen, obwohl wir wissen, dass wir bis 22 Uhr schlafen sollten).

 

Für mich und meine Krankheit bedeuten diese Informationen eine ganze Menge, denn sie zeigen mir, dass ich selbst die Verantwortung für meine Krankheit trage. Kein anderer. Auch nicht das Schicksal mache ich dafür verantwortlich, denn dann würde ich die Karten aus der Hand geben. Ayurveda bietet mir die Möglichkeit zur Heilung, wenn ich die Grundprinzipien zur Ganzheitlichkeit beachte. Veränderung kommt nur durch Disziplin, z.B. indem ich meine Ernährung umstelle, mich monatelang daran halte und Geduld mit meinem Geist in den Meditationen habe.

 

Hast Du Fragen? Schreibe mich gerne an. 

 

Hier findest Du einen möglichen Konstitutionstest, der Dir
einen ersten Anhaltspunkt gibt, welcher Typ Du wahrscheinlich bist. Eine absolute
Bestimmung kann am Besten ein Ayurvedamediziner durchführen. 

 

Quellen:

www.yoga-vidya.de

www.happymindmagazine.de

www.ayurvedamedizin.de

www.ayurvedaben.com

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